Die ESRS erklärt: ESRS S3 – Betroffene Gemeinschaften

Governance & Regulatorik

Inhaltsverzeichnis

6
min |
28.8.2024

In unserer Blogreihe zu den Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) widmen wir uns heute ESRS S3, dem Standard für betroffene Gemeinschaften. Dieser Standard fordert von Unternehmen eine transparente Berichterstattung über ihre sozialen Auswirkungen auf Gemeinden, indigene Gruppen und andere betroffene Interessengruppen entlang ihrer Wertschöpfungskette.

Was ist ESRS S3?

ESRS S3 deckt die sozialen Auswirkungen eines Unternehmens auf betroffene Gemeinschaften ab. Dies umfasst Personen oder Gruppen, die durch wirtschaftliche Aktivitäten eines Unternehmens, sei es direkt an den Betriebsstätten oder entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, beeinflusst werden.

Beispiele für betroffene Gemeinschaften:

Anwohner von Unternehmensstandorten oder Betriebsstätten

Gemeinden an stark frequentierten Transportwegen

Indigene Gemeinschaften, deren Schutzgebiete betroffen sind

Regionale Interessengruppen und Kommunen

Der Standard soll sicherstellen, dass Unternehmen nicht nur über ihre sozialen Auswirkungen berichten, sondern auch Maßnahmen zur Reduktion von Risiken und zur Förderung positiver Effekte ergreifen.

Offenlegungspflichten gemäß ESRS S3

Unternehmen müssen im Rahmen von ESRS S3 umfassend über ihre Beziehungen zu betroffenen Gemeinschaften und die damit verbundenen Risiken und Chancen berichten. Eine Übersicht der wesentlichen Offenlegungspflichten finden Sie hier:

ESRS S3 Betroffene Gemeinschaften Offenlegungspflichten
Angabepflicht Beschreibung
S3-1 Strategien im Zusammenhang mit betroffenen Gemeinschaften.
S3-2 Verfahren zur Einbeziehung betroffener Gemeinschaften in Bezug auf Auswirkungen.
S3-3 Verfahren zur Behebung negativer Auswirkungen und Kanäle, über die betroffene Gemeinschaften Bedenken äußern können.
S3-4 Maßnahmen zur Minderung wesentlicher Risiken und Chancen im Zusammenhang mit betroffenen Gemeinschaften.
S3-5 Ziele zur Bewältigung wesentlicher negativer Auswirkungen und Förderung positiver Auswirkungen.

Zielsetzung von ESRS S3

ESRS S3 verfolgt das Ziel, Unternehmen dazu zu verpflichten, ihre Auswirkungen auf Gemeinschaften systematisch zu erfassen und Maßnahmen zur Minderung sozialer Risiken zu ergreifen.

Zentrale Zielsetzungen des Standards

  • Schutz der Rechte betroffener Gemeinschaften, insbesondere indigener Völker
  • Transparenz über soziale Risiken und Chancen entlang der Wertschöpfungskette
  • Förderung von Menschenrechten und sozialen Mindeststandards
  • Stärkung des Stakeholder-Dialogs mit lokalen Gemeinschaften

Synergien mit anderen ESRS-Standards

ESRS S3 überschneidet sich mit anderen sozialen Standards, darunter:

  • ESRS S1 & S2: Menschenrechtsverletzungen entlang der Lieferkette und innerhalb des Unternehmens
  • ESRS S4: Verbraucherschutz und soziale Inklusion
  • ESRS G1: Governance-Mechanismen für ethisches Geschäftsverhalten

Herausforderungen bei der Umsetzung von ESRS S3

Unternehmen stehen vor mehreren Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung von ESRS S3, insbesondere in der Identifikation, Einbindung und Datenerhebung zu betroffenen Gemeinschaften.

  • Die Identifikation betroffener Gemeinschaften stellt eine zentrale Herausforderung dar. Da ESRS S3 eine sehr weit gefasste Definition von betroffenen Gemeinschaften verwendet, müssen Unternehmen eine Vielzahl von Stakeholder-Gruppen berücksichtigen. Dies umfasst nicht nur direkt angrenzende Gemeinden, sondern auch Bevölkerungsgruppen, die durch Geschäftsaktivitäten in der gesamten Wertschöpfungskette beeinflusst werden. Eine systematische Analyse und Priorisierung sind erforderlich, um die relevanten Akteure zu identifizieren
  • Der Stakeholder-Dialog ist ein essenzieller Bestandteil der Umsetzung. Unternehmen müssen sicherstellen, dass betroffene Gemeinschaften angemessen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Dies erfordert klare Kommunikationskanäle und Dialogformate, die sowohl den Bedürfnissen der Gemeinschaften als auch den Geschäftsinteressen gerecht werden. Besonders bei vulnerablen Gruppen, wie indigenen Völkern oder sozial benachteiligten Gemeinden, müssen kulturelle und sprachliche Barrieren überwunden werden.
  • Die Datenerhebung stellt eine große Herausforderung dar, insbesondere entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Unternehmen müssen belastbare Informationen zu sozialen Auswirkungen sammeln, was oft mit Unsicherheiten und lückenhaften Datenquellen verbunden ist. Besonders in globalen Lieferketten ist der Zugriff auf verlässliche Informationen über Arbeitsbedingungen, Landnutzungskonflikte oder soziale Auswirkungen von Produktionsprozessen schwierig. Eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Stakeholdern, NGOs und unabhängigen Prüfinstanzen kann helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Um diese Herausforderungen effektiv anzugehen, empfiehlt ESRS S3 eine Orientierung an bewährten internationalen Rahmenwerken, darunter:

  • Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die Unternehmen dazu verpflichten, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten entlang der Wertschöpfungskette zu gewährleisten.
  • Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die Prinzipien für verantwortungsvolle Unternehmensführung und nachhaltige Entwicklung setzen.
  • Die Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu fundamentalen Prinzipien und Rechten bei der Arbeit, die Standards für menschenwürdige Arbeitsbedingungen definiert.

Die Einhaltung dieser Leitlinien kann Unternehmen helfen, ihre sozialen Auswirkungen transparenter zu gestalten und die Anforderungen von ESRS S3 systematisch zu erfüllen.

Fazit & Ausblick: Die Bedeutung von ESRS S3

ESRS S3 stellt sicher, dass Unternehmen ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht werden. Transparenz über soziale Auswirkungen trägt dazu bei, Reputationsrisiken zu minimieren und langfristig nachhaltige Geschäftsmodelle zu fördern.

In den kommenden Beiträgen werden wir Best Practices zur Einhaltung von ESRS S3 vorstellen. Bleiben Sie dran, um praxisnahe Einblicke in den Stakeholder-Dialog und die soziale Nachhaltigkeitsberichterstattung zu erhalten!

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